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Tourism matters! Nachhaltigkeit in den Alpen

[10|06|2014]

"Nachhaltigkeit in den Alpen - Weiß der Gast von unserem Engagement?“ – dieser spannenden Frage widmete sich die zweite Veranstaltung des Master Forum Tourismus im Sommersemester 2014.


Stephan Köhl, Geschäftsführer der Berchtesgadener Land Tourismus GmbH, beleuchtete die Bereiche Image, Zielgruppe, Kommunikationskanäle, Mobilität, Events und Kooperation im Lichte der Nachhaltigkeit. Eine Maßnahme sei hier beispielsweise die Auflagen von Broschüren zu reduzieren und stattdessen verstärkt auf digitale Medien wie Social Media zu setzen. Ein Hauptproblem sieht Herr Köhl allerdings im CO2-Ausstoß: 70% des gesamten CO2-Ausstoßes entstehen bereits bei der Anreise der Touristen. Die Berchtesgadener Land Tourismus GmbH möchte die Angebote von Bahn, Bus und Mitfahrgelegenheiten daher weiter ausbauen. Zukünftige Ziele sind ein Branding und eine Kundenbindung, die nachhaltige Werte schafft und die eigenen erhält.

Josef Margreiter sieht Nachhaltigkeit als Bewusstseinsbildung. Als Geschäftsführer der Tirol Werbung GmbH besteht für ihn die zentrale Herausforderung nicht im Klimawandel, sondern im Gesellschaftswandel. Um den daraus resultierenden Anforderungen gerecht zu werden, unternimmt die Tirol Werbung GmbH Sozialmaßahmen gegenüber Mitarbeitern, Touristikern, aber auch branchenübergreifend. Beispiele dafür sind Volunteering-Angebote oder auch die Steigerung der Bahnanreisen von 6% auf 10%.

Stephanie Hennes, Projektleiterin für die Integrierte Ländliche Entwicklung, stellte das Ökomodell Achental e.V. vor. Ziel der Initiative ist es, bis 2020 ein energieautarkes Achental zu schaffen. Um die regionale Vermarktung noch effizienter zu gestalten, wird gerade die RegioApp entwickelt. Wie auch die Berchtesgadener Land Tourismus GmbH setzt das Ökomodell Achental auf Social Media und Newsletter. Nachhaltige Mobilität erlebt der Gast durch Shuttlebusse und die Achentalbuslinien . Die Weiterentwicklung der vier Zielbereiche Landwirtschaft, Energie, Tourismus und Naturschutz, im gegenseitigen Einklang, wird die zukünftige Herausforderung sein.

Bei der anschließenden Diskussionsrunde kam das aktuelle Thema um Sudelfeld zur Sprache, wobei aus dem Publikum die Frage gestellt wurde: „Geht die die Entwicklung der Infrastruktur nicht schon zu weit?“. Die Referenten waren sich einig, dass bereits viele Infrastrukturprojekte eher zurückgebaut werden, weil viele nicht mehr die anfangs geglaubte Profitabilität versprechen. Außerdem wurde die allgemeine Meinung vertreten, dass der Fokus der Infrastruktur auf den Skigebieten liegen soll, die sich nahe der Wohngebiete der Bevölkerung befinden, sozusagen „Skifahren vor der Haustür“.

„Sobald auch das Interesse seitens der Gäste vorhanden ist , wird Nachhaltigkeit als Verkaufsargument genutzt“, , so Köhl. Die verzögerte Marketing-Aktivität sieht er als Vorteil, um auf die heutigen Veränderungen besser reagieren zu können. Denn wichtig sei es, sich auf Drei-Generationen-Häuser und Zweitwohnsitz zu konzentrieren, denn hier entstehen die neuen Arbeitgeber und -nehmer.

Alle Referenten schilderten, wie ihre Regionen daran arbeiten, die Marktanteile im Winter wieder zurück zu gewinnen, die man sonst an „Warmwassergebiete“ verlieren könnte. In Berchtesgaden gibt es neben dem Skibetrieb beispielsweise weitere Aktivitäten wie Langlaufen, Schneeschuh – oder Winterwandern. Frau Hennes wies auf die klimatischen Veränderungen der letzten Jahre hin. Das Hütten- und Wellnessangebot wird dadurch auch im Dezember ausbaufähig. Herr Margreiter betonte erneut den gesellschaftlichen Wandel und dass die Menschen immer wieder Neues erleben wollen. Das Gesundheitsbewusstsein steht im Mittelpunkt der Gesellschaft, somit sollte man die Aktivitäten in den Bergen ständig neu positionieren, um auch für kommende Generationen das Angebot in den Alpen attraktiv zu halten.